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Des Dorfes Annalen

Urkunde im Original

Ob es nicht doch eine Fälschung ist, wird zur Zeit noch geprüft


Es begab sich zu einer Zeit, als Kaiser Carolus Magnus mit harter Hand unter den Volkschaften des Nordens wütete. Mit ihm kämpfte ein neuer Gott gegen die Macht des alten Götterhimmels. Viele Sippen der Nordluidi, Ostfalen und auch der Westfalen suchten ihr Heil in der Flucht über den großen Strom Albis. Hier, in den tiefen Wäldern des Sachsenwaldes und des Isarnhoes fanden sie, den Eulen gleich, Zuflucht vor den Häschern des grausamen Christengottes.
Nicht, daß ihren alten Götter mehr an Milde und Gnade gelegen hätte, nein - sie suchten nur nicht über ein ganzes Reich zu herrschen, sondern begnügten sich mit dem Einfluß auf ein Dorf.
Davon und von den Nöten und Sorgen der kleinen Leute will diese Mär berichten.

Das ganze Nordland ward von den Franken und ihren steuereintreibenden Grafen besetzt! Das ganze Land?
Ein kleines Dorf an der Grenze zwischen Sachsen- und Slawenland trotzt der spektakelnden Übermacht, läßt sich weder durch Gold noch ruhmreiche Versprechungen aus seinen Träumen reißen.

Unser kleines Dorf, einige wenige Hütten, ein Zelt hier und ein Unterstand dort im dichten Wald des Steinern Horst, träumt unter dem alten Götterhimmel vor sich hin, sammelt Flüchtlinge von überallher und beginnt, nach einem Namen zu rufen.

Die Eulen haben ihren Namen, jeder Westfale weiß um die Herkunft des seinen und selbst die malenkie puszczyki tragen einen - wenn auch fremdländischen. Wie aber soll der verlorene Haufen seinen Zauber und seine Kraft sammeln, wenn ihm die Götter keinen Namen schenken. Und Kraft ist im Kampf gegen das große, alles überrollenden Spectaculum dringend nötig.
Dann lieber mutig hervorbrechen aus dem Steinern Horst, den Namen mitnehmen als der Kampfansage Ruf an eine Welt der eitlen neuen Herren.

Den Kämpen im Land zwischen Slawen und Sachsen, gelten die folgenden Worte, derer es gar viele gab, zu viele zwischen den Recken und ihrer Gefolgschaft, des manchen Male derart viele, daß sie schon in Schweigen ausarteten. An Taten aber mangelte es dergestalt, als das infolge dessen das Gefolge sich aus der Gefolgschaft begab und sich im fünften Jahr der Herrschaft des Drasko unter der Führung des edlen Luidwin im Steinern Horst anssiedelte. Die Männer des schweigenden Redeschwalls, zogen sich voll der Verachtung in ihren Urwohld zurück, um mit den Nornen zu hadern. Umhegt leckten sie dort ihre Wunden und warten auf bessere Zeiten.
Ob daraus einstmals die Legende von den versteinerten grimmigen einsamen Riesen entstehen wird, weiß nur des Schicksals Wind...

Ungebrochen vom Grimm der grauen Gramköpfe begeben sich denn Luidwin - der Westfalen großer Recke, Finn - der Kundige des Alten Volkes und einige andere mehr auf die Märkte der Umgebung, Verbündete für Herz und Kampf zu gewinnen. Mond um Mond vergeht, fast ein Sonnenlauf ist nöthig, den Zauber zu finden, der aus den einzelnen Kämpfern und ihren Sippen beginnt eine Gemeinschaft der Herzens zu formen. Ehemals Verbündete setzen sich ab, lassen sich blenden von Gold und Silberstücken, in ihren Herzen schlägt ein eisernes Pendel und sucht den Aufbruch in ein neues Leben zu hindern. Versprengte stoßen hinzu - Malgosia und Finn aus dem Lande der Slawen bitten um Schutz. Sie bringen ihren eigenen
codex mit. Bald reicht die Kraft, ein erstes Lager zu befestigen und zu Westerowe im Jahre MCCX der Krönung des Christenkaisers sich zu sammeln für der Zukunft Gestalten.

Friedvoll und wohlfeil zeigt unser erstes gemeinsames Lager, wie viel mehr wir als Gemeinschaft darstellen können, ohne die Mißgunst der Eitelkeiten. Finn gewinnt Sicherheit sich in der Vorbereitung und den vielen Absprachen vor des Lagers Beginn und übt Kraft dessen für die Markttage das Amt des Wikvogtes aus.

Da der Absprachen Teilnehmer Lust am Palavern fanden, wurden sie angehalten, dies jeden Mond fortzuführen und sitzen seitdem alle 4 mal sieben Tage beysammen.

Auch begannen die Westfalai in weiser Voraussicht kommender Schlachten, ein kleines Heer aufzustellen, welches Herr Luidwin mit viel Überei bedacht und beleget. Die kommenden Kämpfe werden zeigen, ob die Recken der Westafalai den Eingang in Wal Halla nun schneller finden oder ihre Feinde sich dort eher zu versammeln gezwungen sind.

Die Kunde vom Geklirre der Waffen und das Befragen der Boten, die in großer Zahl unterwegs zwischen Stormaren und Lauenborch, drang an das Gehör des Jarls der Eulen, welcher seit Jahr und Tag in seinem Hügel bei den vier Kathen auf bessere Zeiten gewartet.

Da diese nun angebrochen in ihrer ganzen Herrlichkeit fand er sich großherzig bereit, das Gewesene verwesen sein zu lassen und folgende Werk des Vertragens am
siebenten Tag des Ernting des laufenden Jahres zu besiegeln:

Dieses sey eynes Beystands Vertrag, dasselbst auf der Grundlage des Treffens der Sippen von Taran, dem, Drachen – in unserer Sprache Thrasko genannt und der der malenkie puszczyki – auf welchem durch der inneren Eynkehr und Besinnung auf das Sinnvolle folgenden Beschlüsse mit eyner Stimme getäthigt wurden:
Das Gewesene soll wie das Verwesene gewesen seyn und ob der Aussprache desselben kein Herzeleyd mehr hervorbringen. Der Empfindlichkeyten und spitzen Worte seyen es genug gewesen. Ein jegliches habe seyne Zeyt und die Zeyten der Entzweyung befinden beiden Sippen als beendet.
Niemals wieder wird der Zwietracht zwischen unseren Sippen Raum gegeben, vielmehr soll mit Frieden im Herzen und Geist im Verstand jedwedes Zerwürfnis vor dem Eintreten desselben unnöthigt gemacht werden.
Kein Streit soll die Eintracht in Gefahr bringen, es sei denn, es gehet um Schlägerey und Zwist um der Ergötzung willen.
Vielmehr sey es beiden Sippen ans Herz geleget, in wohlwollender Freundschaft gemeynsam ihr Heimod und ihre Kleinodien zu schützen gegen Böswilligkeyt von außen und von innen.
Dieses sey kundgethan und gegeben am siebenten Tag des Ernting im Jahre MCCX der Krönung Carolus Magnus, zu Bliesthorpe im Herzothum Racisborg
Taran der Drache - Finn, Kundiger des Alten Volkes

Nun liefen der Boten viele von Ort zu Ort, Botschaften zu überbringen und Botschafter zu befragen, welche Zukunft dem mutigen kleinen Dorf im Steinern Horst beschieden sey. Viel Verhandelei fand statt und achtsam handelten wir, unseren Zauber zu bewahren.

Am Anfang war das Wort schrieb einstens wohl einer der Götter und einige wenige Weise oder weniger Weise des Nordenlandes trafen sich, die Sippen des Dorfes und das Dorf selbst auf den gemeinsten Nenner zu bringen. Voller Herzlichkeyt kam Worte zu Wort bis der ganzen Sätze zu Sinnhaftigkeit sich fanden.
So wie der Metbecher Inhalt gegossen in eine einzige Schale der Sinnenlust Vorschub leistet, so füllten die Geister der Sippen gemeinsam das Füllhorn mit Zielen und Möglichkeiten.
Spätere Generation werden diese Stunden am Tag des vollen Mondes, neuen Monde vom dem Beginn des Schwangergehens an , wohl als eygenthliche Stunde der Geburt unseres Dorfes sehen.
Ein jegliches hat seine Zeyt, zeugen und gebären hat seine Zeyt sowie Worte und Reden haben ihre Stunde. Nun aber war die Zeyt gereifet, den aus Wollen und Lust ins Leben gerufenen "Steinern Horst"an das Licht der Welt treten zu lassen, Zuflucht und Hoffnung zu seyn den Sippen an der Grenze Stormarens und Lowenburgs.
Sein schützender Schwertarm sey der des Drachen Taran, Schutzschild und breiter Rücken ihm Luidwin, der Westfalen Recke, Jörg de Hegher seyn nahrungspendender Bauch und Finn, des Kundigen Mundwerk das Sprachrohr, auszusprechen, was die Glieder ihm eingeben.
Wir übergaben unsere Schöpfung dem Wachstum, feierlich beschließend, es zu hegen und zu pflegen mit der Kraft unserer Freude, daß es seinen Platz fände in der Welt der Märkte und Lager.
Und ungelenk noch ob der Ungeübtheit seiner Glieder im Zusammenspiel er stand das Wesen, hob keck die Nase in den warmen Sommerwind und begann, sein eygenes Schicksal zu erfüllen.

Zu Reyenefelde ergab sich ein Gespräch des Friedens zwischen Finn, dem Overboden des Dorfes und dem Herrscher der Bodener. Waffenruhe ward vereinbaret und Verhandlungen zur Schlichtung des schwelenden Streites.

Und doch warf die dunkle Wolke weiterhin Schatten des Unfrieden über das Dorf. Der Boten eilten eynige her und hin mit viel Pergamentum dabei, bis schlußendlich in einem offenen Brief von den wenigen und weniger Weisen des Rates die Aufforderung erging, sich zu bekennen zu des Dorfes Regeln. Nach der vielen Rederey und bösen Worten begab sich das Dorf erstmal wieder in den Schutz des Steinern Horstes, die Wunden zu lecken.
Der weiteren Drohungen und feygen Unwahrheiten abhold, sollen Ehrlichkeit und Direktheit im Umgang miteinander, sowie sicher auch die freundliche Zurechtweisung den Ton unter uns bestimmen - nie aber wüste Worte der Gewalt. Wer das nicht beherzigen mag, der soll uns fremd bleiben.


Nun, nach des Sommers letztem Lager bemächtigt der Winterschlaf sich der Lebensgeister. Tief in den Mantel allen Vergessens gehüllt, mümmelt sich das Dorf ein und harrt der eisigen einsamen Herbststürme.
Nein, doch nicht - Finbar, angespült aus der Irischen See an das Gestade Hamburgs hat uns geweckt und es scheint, als ob des Winters Schlaf vorbey, ehe er begonnen. Es wird getratscht und geplant, daß es eine wahre Freude ist. Der einbrechenden Kühle zum Trotze lagern die Westfalai frohen Mutes vor den Toren des Steinern Horst. Seht Ihr Tarans weiten Umhang über die Felder wehen, achtet auf den Rauch über seinem Haupte, wenn seine Gedanken so aneinander sich reiben, daß sie die Kälte vertreiben.
Nun ach, oh Schmerz und Weh hat er so sehr gerieben, daß er getrieben in der Dämmerung Zwielicht. Noch sehen wir laufen, einen Riesenhaufen, einstmals der Steinernhorst - zerlaufen als Haufen und nur noch Mist.

Es sey Euch von Herzen versprochen,
bey Zeyten hierin zu finden
Allerley Heldenlieder und Synden
über Gefieder und Recken
über Lieder und Zecken
des Steinern Horst


Eyn jegliches hat seyne Zeyt und alles hat seyne Stunde,

nun ist die Stunde der Schnitter, hart Wunden schneidend, wo Worte gereicht – es sey so, der Schritt ist getan, der Schnitt hat getroffen und meine Worte bluten.

Erlöset aus den Zwängen zwischen allen zu stehen, welche gleichzeitig reden aber nicht mit antworten und denen, die reden und ganz anders handeln als ihrer Worte Sinn, wo ein jeder meinte ziehen zu müssen an den Fäden des Eygennutzes.

Das ist vorbei, möget Ihr einfach die Schuld  laden auf mich, umso leichter ist sie mir, je mehr ich begreife, Ihr habt nie wirklich  Lösung gewollt.

Hättet Ihr, das Gespräch hättet Ihr gesucht, gefunden habt Ihr nur Fehler –  und es war einer, meiner, überschätzt zu haben Euren Gemeinschaftssinn. Zu schnell kam Freundschaft über Eure Lippen - Freunde aber handeln als solche und laufen nicht fort ohne eyn Wort! 

Nur dachte der Hoffnung kühner Mut, das bindende Fäden des gleichen Interesses, sich ließen fügen zu einem starken Band. Mitnichten war das der Fall, Verstrickung ward schnurstracks des Tages Beginn. Worthülsen verhüllten den Weg, Mißgunst und Neid straften sich gegen-seitig der Lügen.

Vorwerfen könnt Ihr mir vieles, mit einigem werdet Ihr richtig liegen, mit einem nicht: Keiner von Euch hatte den Mut, Euch zu fordern, zu flehen, mehr als nur Euch selbst zu sehen. Nun seyt Ihr wieder allein, zu zweyn , zu dreyn aber nicht mehr die einen, die meinen.

Ihr hattet Eure Zeyt und es waren vergebene Stunden. Wohl denn, lebet dahin, streicht aus dem Sinn, was immer gewesen.

Eyn neues Morgenrot streicht über der Trave Raum, von der Sassenwald Rosserer wehet ein freundlich Hauch und der Rote Hahn krähet uns sein Willkommen, von Reynevelde winken drei Nornen. Es deucht mir, als ob der Einsamkeit Dunkel sich lichten und wir nicht länger allein an uns zweifeln im Steinern Horst. Berichten werd' ich von Freunden Euch, die uns ans Herz gewachsen, kein Streites Wort sich läßt vernehmen, nur kraftgebend Treue und Herzenswärme das Gemüt umspielen. Schauet hier, wie freundlich uns die vormals einsame Hütte geworden...