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Groß-Boden 1777


Die räumliche Nähe der Überlieferungen und auch ihre Dichte weisen auf eine vorchristliche "Kultstätte", die wahrscheinlich mit der eisenzeitlichen Siedlung beim Urnenfriedhof zusammenhängt. Eine vergleichbare Mooropferstelle einer benachbarten Siedlungskammer liegt gut 3 Kilometer nördlich zwischen Rethwisch und Tralauerholz. Fruchtbarkeitsritual und Wodans-Anbetung - die heidnischen Rituale - werden angstbesetzt und durch Gleichsetzung mit "bösem" Zauber tabuisiert. Bis zur Hexenverfolgung ist es da nicht weit - vor allem, wenn heute noch bloß niemand als "Spökenkieker" dort verrufen werden möchte und "Schutzgeister" ihren festen Platz am Eulenloch haben. Ich hätte nie gedacht, auf so kleinem Raum, eine solche Intensität und Sättigung (un-) bewußter Überlieferung zu finden.
Solche siedlungsbezogenen Mooropferplätze sind ein für Mittel- und Nordeuropa nachgewiesen und interpretiert als bis ins Neolithikum zurückreichender Kult, der in bäuerlichen Lebensgewohnheiten verankert ist. [12]


"Aber"glaube im 15. Jahrhundert


Aus dem Lübecker Beichtspiegel "Das Licht der Seele":


"Hast du Leuten Schaden getan mit teuflischer Kunst?
Hast du Zauberei und Wickerei getrieben mit dem Heiligen Sakrament?
Hast du Leute und Vieh gesegnet auf vielfältige Weise?
Hast du Briefe oder Schriften um den Hals gehängt (als Schutz) vor natürlicher Krankheit?
Hast du Schlangen und Ratten beschworen?
Hast du Wurfspieße gesegnet oder das Blut besprochen oder Wunden gesegnet...?

Zauberei, Wickerei, Segnerei hilft nicht Kranken,
Das Vieh zu segnen mit der Heiligen Schrift ist verboten.
Die Leute zu segnen mit dem Vaterunser ist dagegen zugelassen. Alle andere Segnerei ist verboten...

Hast du geglaubt, die Leute werden zu Werwölfen?
Hast du geglaubt an die guten Holden?
Hast du geglaubt an Zwerge, daß sie Kinder wegtragen?
Hast du ihrer halber Speisen und Trank bereitgestellt, um anderer Zauber halber?
Hast du Milch bezaubert?
Hast du geglaubt, daß die Leute mit Leib und Seele bei Nacht in ferne Länder fahren und werden einander wohlbekannt?
Hast du geglaubt, daß die Leute kommen nachts und drücken andere Leute in Schlaf...?
Hast du deine Hoffnung nicht ganz in Gott den Herrn ... gesetzt ...?

Lieber Bruder, diese Stücke sind schwere Todsünden..." [9]

Noch sind es die "Guten Holden", die in den Märchen von Frau Holle weiterleben, doch in der Frühen Neuzeit sind daraus "Un-Holdinnen" geworden. Außerhalb der (evangelischen!!) Kirche darf es keine guten Wesen geben - das hat Folgen:

In unmittelbarer Nähe...

  • Gesche Herdes - Gut Basthorst, 1612
  • Laurentz Nuppenow - Gut Trenthorst, 1613
  • Gretge Hopperneß - Gut Trenthorst, 1613
  • Geschke Meinß - Gut Trenthorst, 1613
  • Trine Voß - Gut Trenthorst, 1613
  • Anna Gartzin - Gut Trenthorst, 1617
  • Franz Bliesse - Gut Trenthorst, 1617 (= Franz Blois?
  • Franz Blois - Bliestorf, 1617
  • Gretke Großkopff - Gut Basthorst, 1622
  • Dorothe Lanckau - Gut Trenthorst, 1624
  • ein Mann - vor 1650, Rondeshagen
  • Gretke Steffens - 1665 Gut Trenthorst/Schenkenberg
  • Elsche Prahl - 1665 Gut Trenthorst/Schenkenberg
  • die Dankersche - 1669, Pölitz
  • die Storsche - 1669, Pölitz
  • Eine Frau - vor 1674, Gut Schulenburg
  • Frau - 1674, Westerau
  • Gösche Böttchers - 1682, Amt Steinhorst
  • Maria Spars - 1682, Amt Steinhorst

Diesen Menschen, Menschen mit Gefühlen, Sorgen, Freuden wurde aus verschiedensten Gründen - nur nicht aus der Sorge um deren Seelenheil - der Prozeß gemacht. Das Gut Trenthorst ist hier mit neun bekannten Fällen vertreten. [11]

...und im Umkreis