Groß-Boden 1777
Im Dorf Stubben des Amtes Steinhorst lässt der Amtmann 1682 zwei Frauen verhaften. Sie heißen Gesche Böttchers und Maria Spars. Auch sie werden der Hexerei bezichtigt. Die Familien der beiden Frauen sind bestürzt und wollen die Verdächtigten von ihren Vorwürfen befreien: Sie greifen auf ein altbekanntes und anerkanntes Mittel zurück: die Wasserprobe. Sohn Heinrich Spars bindet seine Mutter mit Händen und Füssen zusammen und wirft sie in Gegenwart zahlreicher Anwohner in einen Teich. Doch Maria Spars geht wider Erwarten nicht unter. Das angeblich heilige Wasser hatte sie abgestossen, sie gilt von nun an als belastet. Gleiches passiert ebenfalls bei Gesche Böttchers. Bei einem anschließenden Verhör unter Folter gesteht die Frau zahlreichen kriminelle Delikte, auch den Geschlechtsverkehr mit dem Teufel sowie eine Blocksbergsbergfeier mit anderen Teufelsdienerinnen. Durch ein juristisches Gutachten der Universität Kiel gestützt, entscheidet das Gericht auf die Todestrafe. Gesche Böttchers wird hingerichtet. Die Mitangeklagte Spars bleibt allerdings am Leben, sie hatte die Qualen der Folter - ohne ein Geständnis abzulegen - ausgehalten. Das weitere Schicksal der Frau ist unbekannt - Ist sie vielleicht diejenige, welche sich - ausgestoßen und gebrandmarkt - versucht, sich durch Bettelei am Leben zu halten.[8]
(vgl.in Groß-Boden die Überlieferung von der Frau, welche sich wiederholt Dinge ausleiht)

"Öwern Twölften den kümmt dei Wodn'jäger mit sin Hunn." Er läßt dort, wo die Tür offensteht, einen Hund zurück, der ein Jahr dort liegen bleibt. "Anner Johr awer, do hett dei Wod'njäger em werrer mitnahmen."
(Kersten: Lauenburg, S. 156)

Ort am Bek, an dem Hochzeit gefeiert wird...im ganzen Dorf bekannte und "verrufener" Brauch.
(mdl. 2009)
Am Brautberg bei Bordesholm haben früher Brautpaare den Segen der Ahnen erbeten. Dort können jetzt standesamtliche Trauungen durchgeführt werden.
So exotisch scheint dieser Brauch gar nicht gewesen zu sein.
Geht an der Bek um.
(mdl., 2009)
Besonders in ländlichen Gegenden finden wir Legenden und Sagen, wo Hunde in wölfischer Gestalt des Nachts als Spukgestalt helfend, warnend, oder schadend auftreten. Oft sind es schwarze Hunde mit glühenden Augen, die nahe von Friedhöfen, alten Gemäuern, Straßenkreuzungen und am Wegesrand auf bestimmte Menschen warten. Sie sind einfach da, wie aus dem Nichts und verschwinden auch wieder so. Je nach Region werden sie mit dem Teufel verbunden oder erhalten ein eigenständiges durchaus respektvolles Sein, denn so wie man ihnen begegnet, so begegnen sie einem selbst..

An einem bestimmten Wegstück singen keine Vögel.
(mdl., 2009)
Möglicherweise liegt auf diesem Wege-/Flurstück ein Tabu - denn verzauberte Vögel singen nicht. In derVerbindung mit der Sage vom Hund ohne Kopf und dem "verrufenen" Hochzeitsort an der Bek zeichnen sich Konturen eines heidnischen Kultplatzes ab.

Wiederholt kommt eine Frau auf den Hof, um sich Dinge zu leihen. Anschließend wird jedemals ein Schaden bemerkt.
(mdl., 2009)
Hinweis auf Schadenszauber - wahrscheinlich haben die Gegenstände Bezug zu den geschädigten Objekten.
Möglicherweise liegt hier auch eine Verbindung zur Hexenverfolgung in Stubben im Jahre 1682 vor und die gefolterte und ausgestoßene Maria Spars muß ihr Leben mit Betten fristen...?

Auf den Koppeln um das Haus von zum Felde, der ehemaligen Bauernstelle Bielfeld - Brügmann - Hooge- wurden Urnen gefunden, die aber leider, wie so vieles, verloren gegangen sind
( Mundt: Rykenhaghen, S. 7)
Die Gründung eines armen (schmachtenden) Dorfes gleichen Namens halte ich für unsinnig, denn sie wäre gar nicht erst erfolgt.

| Die räumliche Nähe der Überlieferungen und auch ihre Dichte weisen auf eine vorchristliche "Kultstätte", die wahrscheinlich mit der eisenzeitlichen Siedlung beim Urnenfriedhof zusammenhängt. Eine vergleichbare Mooropferstelle einer benachbarten Siedlungskammer liegt gut 3 Kilometer nördlich zwischen Rethwisch und Tralauerholz. Fruchtbarkeitsritual und Wodans-Anbetung - die heidnischen Rituale - werden angstbesetzt und durch Gleichsetzung mit "bösem" Zauber tabuisiert. Bis zur Hexenverfolgung ist es da nicht weit - vor allem, wenn heute noch bloß niemand als "Spökenkieker" dort verrufen werden möchte und "Schutzgeister" ihren festen Platz am Eulenloch haben. Ich hätte nie gedacht, auf so kleinem Raum, eine solche Intensität und Sättigung (un-) bewußter Überlieferung zu finden. |
| Solche siedlungsbezogenen Mooropferplätze sind ein für Mittel- und Nordeuropa nachgewiesen und interpretiert als bis ins Neolithikum zurückreichender Kult, der in bäuerlichen Lebensgewohnheiten verankert ist. [12] |
"Aber"glaube im 15. Jahrhundert
Aus dem Lübecker Beichtspiegel "Das Licht der Seele":
"Hast du Leuten Schaden getan mit teuflischer Kunst?
Hast du Zauberei und Wickerei getrieben mit dem Heiligen Sakrament?
Hast du Leute und Vieh gesegnet auf vielfältige Weise?
Hast du Briefe oder Schriften um den Hals gehängt (als Schutz) vor natürlicher Krankheit?
Hast du Schlangen und Ratten beschworen?
Hast du Wurfspieße gesegnet oder das Blut besprochen oder Wunden gesegnet...?
Zauberei, Wickerei, Segnerei hilft nicht Kranken,
Das Vieh zu segnen mit der Heiligen Schrift ist verboten.
Die Leute zu segnen mit dem Vaterunser ist dagegen zugelassen. Alle andere Segnerei ist verboten...
Hast du geglaubt, die Leute werden zu Werwölfen?
Hast du geglaubt an die guten Holden?
Hast du geglaubt an Zwerge, daß sie Kinder wegtragen?
Hast du ihrer halber Speisen und Trank bereitgestellt, um anderer Zauber halber?
Hast du Milch bezaubert?
Hast du geglaubt, daß die Leute mit Leib und Seele bei Nacht in ferne Länder fahren und werden einander wohlbekannt?
Hast du geglaubt, daß die Leute kommen nachts und drücken andere Leute in Schlaf...?
Hast du deine Hoffnung nicht ganz in Gott den Herrn ... gesetzt ...?
Lieber Bruder, diese Stücke sind schwere Todsünden..." [9]
Noch sind es die "Guten Holden", die in den Märchen von Frau Holle weiterleben, doch in der Frühen Neuzeit sind daraus "Un-Holdinnen" geworden. Außerhalb der (evangelischen!!) Kirche darf es keine guten Wesen geben - das hat Folgen:
In unmittelbarer Nähe...
- Gesche Herdes - Gut Basthorst, 1612
- Laurentz Nuppenow - Gut Trenthorst, 1613
- Gretge Hopperneß - Gut Trenthorst, 1613
- Geschke Meinß - Gut Trenthorst, 1613
- Trine Voß - Gut Trenthorst, 1613
- Anna Gartzin - Gut Trenthorst, 1617
- Franz Bliesse - Gut Trenthorst, 1617 (= Franz Blois?
- Franz Blois - Bliestorf, 1617
- Gretke Großkopff - Gut Basthorst, 1622
- Dorothe Lanckau - Gut Trenthorst, 1624
- ein Mann - vor 1650, Rondeshagen
- Gretke Steffens - 1665 Gut Trenthorst/Schenkenberg
- Elsche Prahl - 1665 Gut Trenthorst/Schenkenberg
- die Dankersche - 1669, Pölitz
- die Storsche - 1669, Pölitz
- Eine Frau - vor 1674, Gut Schulenburg
- Frau - 1674, Westerau
- Gösche Böttchers - 1682, Amt Steinhorst
- Maria Spars - 1682, Amt Steinhorst
Diesen Menschen, Menschen mit Gefühlen, Sorgen, Freuden wurde aus verschiedensten Gründen - nur nicht aus der Sorge um deren Seelenheil - der Prozeß gemacht. Das Gut Trenthorst ist hier mit neun bekannten Fällen vertreten. [11]
...und im Umkreis
- In Dithmarschen gelang es der Kirche nicht einmal, die kirchliche Trauung überall durchzusetzen; bis zur Reformation ritzte da noch ein Laie, der Schaffer, mit der Schwertspitze die Bettdecke über dem Paar und sprach über dem heidnischen Zeichen den Fruchtbarkeitssegen.
- Im Lübschen tanzte man noch im 14. und 15. Jahrhundert zur Nachtzeit feierliche Chorreigen um Leichen und Wöchnerinnen... [10]
- Mehr zu Sagen, Märchen und Liedern unserer Region